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Alle wollen Veränderung, doch keiner will den Trampelpfad verlassen.
Geschrieben von:  Jessika Jung | | Geschätzte Lesezeit 3 Minuten

Alle wollen Veränderung, doch keiner will den Trampelpfad verlassen.

Mehr Zeit für Strategie, schnellere Prozesse, mehr Automatisierung, mehr Freude an der Arbeit. Alle wollen Veränderung. Aber bitte, bitte nicht dafür selbst den eigenen Trampelpfad verlassen müssen. Kennen Sie dieses Phänomen?

Warum ist das so? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ein Trampelpfad entsteht nicht zufällig. Er ist über Jahre festgetreten, jeder Stein ist bekannt, jede Kurve vertraut. Ihn zu verlassen bedeutet, ins Dickicht zu gehen: unsicheres Terrain, Gewohntes loslassen, Neues lernen.
Schon das ist schwer genug. Und jetzt stellen Sie sich vor, jemand anderes zeichnet Ihnen von oben eine neue Route ein, quasi „von den anderen“ vorgegeben, „von denen da oben“ gewollt. Der Widerstand ist da nicht die Ausnahme, er ist vorprogrammiert. Und genau hier beginnt das eigentliche Dilemma: Transformation wird behandelt wie ein Straßenbauprojekt. Mit Meilensteinen, Verantwortlichkeiten, Eröffnungstermin, als würde eine neue Route auf dem Papier automatisch dazu führen, dass sie auch jemand geht. Doch Transformation ist kein Projekt. Sie ist ein Prozess, der im Kopf beginnt. Bei jedem Einzelnen, Schritt für Schritt.

Gerade im Einkauf zeigt sich dieser Widerspruch schonungslos. Auf der einen Seite der große Wunsch nach strategischem Einfluss, nach Digitalisierung, nach Automatisierung. Auf der anderen Seite die brutale Realität: Excel-Listen, gewachsene Lieferantenstrukturen, eingespielte Routinen, der Trampelpfad, den man im Schlaf gehen könnte. Dinge, die „irgendwie funktionieren“. Und genau dieses „irgendwie“ ist der größte Feind einer echten Transformation.

Denn Veränderung heißt nicht nur, eine neue Route auf die Landkarte zu zeichnen. Sie heißt, die eigenen Denkmuster schonungslos zu hinterfragen: Warum gehen wir diesen Weg eigentlich? Welche Schritte bringen uns wirklich voran und welche treten wir nur auf der Stelle, damit sich Bewegung wie Fortschritt anfühlt? Und vor allem: Was bedeutet das für mich ganz persönlich, wenn ich den vertrauten Pfad verlasse?

Warum scheitern so viele Transformationsprojekte? Weil der Faktor Mensch, der mitreden, mitgestalten, verstehen will, bevor er einen neuen Weg geht, schlicht vergessen wird. Dann bleibt der neue Weg für immer der Weg, den die anderen wollten und angeordnet haben. Der einzelne Einkäufer, die einzelne Einkäuferin wird ihn nie als eigene Entdeckungsreise begreifen, sondern im schlimmsten Fall als Zwangsmarsch verstehen.

Deshalb ist es so entscheidend, bei der Einkaufstransformation die Mitarbeitenden ernst zu nehmen: zu wissen, wo sie aktuell auf ihrem Trampelpfad stehen, gemeinsam ein Zielbild am Horizont zu definieren und sie so auszurüsten, dass sie den neuen Weg auch tatsächlich gehen können. Nur eine neue Route auf der Karte einzuzeichnen und neue Schuhe zu verteilen, wird sie nicht davon abhalten, am Ende doch wieder zum alten Trampelpfad zurückzugehen.

Steht bei Ihnen gerade eine Transformation im Einkauf an? Oder haben Sie den Pfad schon verlassen und sind mittendrin im Dickicht? Ich freue mich, von Ihren Erfahrungen zu hören und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.
Damit es am Ende nicht auch in Ihrer Abteilung heißt: „Neuer Weg? Klar, aber bitte erstmal die anderen als Pfadfinder vorschicken.“

 

Foto: pixabay fotofan1

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