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Brexit-Strategie für Lieferketten
Geschrieben von:  Dr. Mark Krieger | | Geschätzte Lesezeit 4 Minuten

Brexit-Strategie für Lieferketten

Unternehmen sollten sich spätestens jetzt auf den Ernstfall vorbereiten

Wie geht es mit dem Brexit weiter? Nachdem das britische Parlament den von Premierministerin Theresa May mit der Europäischen Union ausgehandelten Austrittsvertrag abgeschmettert hat, ist guter Rat teuer. Die EU lehnt weitere Zugeständnisse ab, während Mays Handlungsspielraum immer enger wird und das Unterhaus tief gespalten ist. Derweil rückt der 29. März, das offizielle Austrittsdatum, immer näher.

Spätestens jetzt sollten sich Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen zu britischen Partnern unterhalten, ernsthaft Gedanken über eine Brexit-Strategie machen, rät Paul Moody. Angesichts der schwierigen Verhandlungen in den vergangenen zwei Jahren solle man besser nicht darauf hoffen, dass sich beide Seiten „irgendwie“ doch noch einigen, schreibt der Associate Principal der Hackett Group in einem aktuellen Beitrag zur Brexit-Debatte. Der gebürtige Brite lebt und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Moody hat sich bei der Hackett Group auf die Optimierung von Betriebskapital und Lieferketten spezialisiert. Ihm geht es vor allem darum, die möglichen negativen Auswirkungen eines ungeregelten Brexit auf die industriellen Lieferketten einzudämmen.

Einige Unternehmen hätten in Erwartung von Zollschranken nach dem 29. März bereits ihre Läger aufgestockt, beispielsweise Pharmaunternehmen, die über einen zusätzlichen Puffer von bis zu sechs Wochen Reichweite verfügten. Aber nicht immer könnten Produkte so einfach auf Lager genommen werden, gibt der Berater zu bedenken: „Das gilt besonders für verarbeitete Produkte wie etwa Fahrzeuge, bei denen die verschiedenen Plastikteile, Komponenten und Baugruppen oft mehrmals den Kanal überqueren, bevor sie als fertige Produkte an den Endverbraucher verkauft werden.“

Rolls-Royce und Airbus legen Vorräte an

Zu den Unternehmen, die sich mit der Bevorratung von Material und Komponenten auf den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU vorbereiten, gehört Rolls-Royce. Der Triebwerkshersteller führt nach eigenen Angaben entsprechende Gespräche mit all seinen Zulieferern und prüft die logistischen Möglichkeiten, um einer Unterbrechung der Lieferkette vorzubeugen. Sobald Klarheit darüber herrsche, auf welche Weise das Land aus der EU ausscheidet, werde man weitere Details bekannt geben, teilte Rolls-Royce mit. Auch der Flugzeugbauer Airbus legt Vorräte an, um sich für den Brexit zu rüsten. Bis dato seien dafür rund 15 Millionen Euro ausgegeben worden, erklärte die UK-Chefin von Airbus, Katherine Bennett, gegenüber britischen Abgeordneten. Das Geld sei für die Finanzierung von Lagerflächen zur Bevorratung mit Bauteilen und für Rechtskosten verwendet worden.

Hackett-Berater Moody legt betroffenen Unternehmen fünf Handlungsempfehlungen ans Herz:

  1. Überprüfung der Lieferkette.
    Es gilt herauszufinden, wo es Berührungen mit dem Vereinigten Königreich gibt. Das dürfte nicht immer leicht sein, denn die Unterlieferanten wüssten manchmal selbst nicht, woher sie ihre Komponenten beziehen.
  2. Alternative Lieferrouten bestimmen.
    Im Falle eines „harten Brexit“ werde es Tage oder gar Wochen dauern, bis die Hafenbetreiber einen neuen Modus Operandi gefunden haben werden. Zu den Optionen, die Unternehmen prüfen sollten, gehört laut Moody auch, Britannien ganz zu umgehen – falls der Lieferant ein Standbein in Irland hat.
  3. Kommunikation mit den Lieferanten.
    Verfügt der Lieferant über einen Notfallplan? Falls nicht, „sollten Sie schnell Alternativlieferanten mit weniger Risikopotenzial identifizieren“, schreibt Moody. Das Risiko sei am größten bei kleineren Firmen.
  4. Nötige Sicherheitspuffer kalkulieren.
    Nach konservativen Schätzungen reichten vier Wochen aus, um den Produktionsstillstand zu vermeiden, aber in manchen Fällen seien sechs Wochen angeraten. Unternehmen sollten auch ein eigenes Budget für das „Brexit-Management“ bereitstellen.
  5. Ernennung eines Brexit-Koordinators.
    Es erfordere ständige Wachsamkeit, um mit den neuen Verträgen und politischen Improvisationen, die der Brexit mit sich bringe, Schritt zu halten.

Auch wenn die gegenwärtige Krise überwunden sein wird, sollte man die Entwicklungen in Großbritannien im Auge behalten, rät Moody. Denn das Land mache einen tiefgreifenden Wandel durch: „Selbst wenn ein harter Brexit vermieden werden sollte, wird populistische Politik weiter die britische Wirtschaft beeinflussen.“

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